A 8 / B 27 Echterdinger Ei

Flurplan mit der ersten Anschlußstelle Stuttgart-Süd

Obwohl dieser Knotenpunkt offiziell „Anschlußstelle Stuttgart-Degerloch“ heißt, ist er bei den meisten Verkehrsteilnehmern der Region als „Echterdinger Ei“ bekannt. Meßpunkt durch alle Zeiten ist der Betriebskilometer 198,335 im Zuge der Autobahn München (km 0,0) – Karlsruhe (km 266,2). In einer dichten Folge von Verflechtungspunkten sind hier die heutige Bundesautobahn A 8 und die zweibahnige Bundesstraße B 27 mit einander verknüpft.


Anschlußstelle Stuttgart-Degerloch 1937 Naturstein-Großpflaster auf Brückenhinterfüllung
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-1133050

Das erste Kreuzungsbauwerk wurde 1935/36 errichtet. Es war ein A-Bauwerk mit 8-stegigem Plattenbalkenrahmen, die Widerlager waren am Rand mit Werkstein verkleidet und innen wurde der Beton mit Prellschlag versehen. In den frühen 1960er wurde das Bauwerk verbreitert. An der Anschlußstelle (AS) war die Reichsstraße R 27 Stuttgart – Tübingen plangleich mit den Rampen verbunden.

Die frühere Strecke 42 Stuttgart – Ulm wurde am Sonntag den 27. September 1936 (zusammen mit insgesamt 430,3 Kilometer Reichsautobahn in 17 Abschnitten in ganz Deutschland) von der AS Stuttgart-Süd (der heutigen AS Stuttgart-Degerloch) bis zur AS Unterboihingen (heute AS Wendlingen) feierlich dem Verkehr übergeben. Am 17. Dezember 1937 erfolgte die Freigabe in westlicher Richtung bis zur damaligen AS Stuttgart-Südwest.

Das erstgebaute Kreuzungsbauwerk – unten verläuft die damalige Reichsstraße R 27

Aufgrund des in der Nachkriegszeit stetig anwachsenden Verkehrs auf beiden Straßen – die B 27 war zeitweise zum Ausbau und zur Aufstufung als A 83 vorgesehen – wurde die Anschlußstelle zu einem planfreien Knotenpunkt mit Verflechtungsfahrbahnen in Form eines lang gestreckten Kreisverkehrs in elliptischer Form umgebaut. Von oben ließ sich nun die Ei-Form erkennen. Das Büro Schaechterle aus Ulm legte im Vorfeld diverse Varianten für das „Echterdinger Ei“ vor. Die Bauarbeiten fanden von 1964 – 1965 statt.

Nach der Fertigstellung des Verteilerkreises – Luftaufnahme von 1965
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-1133058

An der Richtungsfahrbahn Karlsruhe (Nordseite) wurde 1938 – zunächst in einem Holzbau – die erste Raststätte Stuttgart-Süd errichtet und in den folgenden Jahrzehnten auf beiden Seiten immer wieder erweitert und umgestaltet. Die verbliebenen Einrichtungen wurden Ende Dezember 2002 aufgegeben und zurückgebaut. Aufgrund der Lage, erst in der AS und dann durch den Kreisverkehr, war die Tank- und Rastanlage aus allen Richtungen erreichbar.

Erweiterung Luftaufnahme 1997
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-1133059

Durch den ständig steigenden Verkehr war das „Echterdinger Ei“ mit seinen viel zu kurzen Verflechtungsbereichen ständig überlastet. Im Zuge des Ausbaues der A 8 wurde dieser Knotenpunkt vorerst ausgeklammert und als eigenständiges Projekt geplant und gebaut. Schon 1989 war ein erster Vorentwurf fertig gestellt, der bis 1992 weiter verfeinert wurde. Verantwortlich für diese Baumaßnahme war das Regierungspräsidium Stuttgart, da der Schwerpunkt des Ausbaues auf der B 27 lag. Aufgrund der fehlenden Finanzierung war ein Vollausbau nicht sofort möglich, daher wurden vorgezogene Interimsmaßnahmen durchgeführt. 1994 wurde das Kreuzungsbauwerk ersetzt und 1995 zwei zusätzliche Verbindungsfahrbahnen eingerichtet. Der Verkehr lief nach Abschluß dieser Baumaßnahmen sechs Jahre lang wesentlich flüssiger. Die Verkehrsbeziehung München – Tübingen wurde auf die neue Flughafenstraße verlegt und damit kürzer.

Entwurfsmodell

Gleichzeitig wurde an einer Erweiterung des „Echterdinger Ei“ ohne sich überschneidende Fahrbeziehungen geplant. 1997 erfolgte der Planfeststellungsbeschluß. Größte Herausforderung für die nun arbeitende Projektgruppe war die Aufrechterhaltung aller Verkehrsbeziehungen während der Bauarbeiten. Dies führte zu letztlich rund 150 verschiedene Verkehrsführungen – einmalig in der deutschen Autobahngeschichte.

Baustellenverkehrsführung auf der Rampe A München – Stuttgart

Ab März 2001 wurden schon die ersten Vorbereitungsmaßnahmen durchgeführt, die Hauptarbeiten begannen zum Jahresende. Bis zur symbolische Verkehrsfreigabe der Gesamtmaßnahme am 5. Dezember 2003 wurde der Knotenpunkt – nun als ein „Autobahnkreuz“ und ungewöhnlicher und einmaliger Form – umgestaltet.

Winterpause im Januar 2003

Durch den Umbau vom „Ei“ zur „Windmühle“ gibt es nun keine Spurkreuzungen mehr, die Verkehrsanbindungen erfolgen durch direkte und halbdirekte Fahrbeziehungen. Zudem wurde die Anschlußstelle Möhringen über Verteilerfahrbahnen an das „Echterdinger Ei“ angebunden. Durch die Bündelung der Rampenbeziehungen vor dem Verflechten mit den Hauptachsen der BAB A 8 und der B 27 wird auch der Durchgangsverkehr auf diesen Hauptschlagadern entlastet.
Die üblichen Nachlaufarbeiten konnten deutlich eher als erwartet, statt im Dezember, schon im April 2004 abgeschlossen werden.

Aufbau der zeitweisen Beschilderung

Die heutige Verkehrsbelastung liegt bei bis zu 120.00 Kraftfahrzeugen im durchschnittlichen täglichen Verkehr auf der A 8 und bis zu 80.000 auf der B 27.

Überkopfbeschilderung in Richtung Westen

Unsere Bilderfolgen zu den einzelnen Bauwerken und Baumaßnahmen berichten davon aus Sicht der Bauüberwachung in loser Veröffentlichungsreihe.

A 8 B 27 Echterdinger Ei – Neubau BW 9
A 8 B 27 Echterdinger Ei – Neubau BW 15

Vergleiche:
Ausstellung „75 Jahre Autobahn über die Filder“

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